Lessons Learned

Die Zeit des Homeschoolings ist vorbei, jene Schüler, die noch nicht die Sommerferien genießen, sitzen noch ein paar Tage lang im Klassenzimmer und üben sich in Rechnen und Grammatik. Wie viel aus der Zeit zwischen März und Mai hängengeblieben ist, wird die Zukunft zeigen. Doch nicht nur die Kinder, auch bei eguana haben wir einiges gelernt, und das nicht nur während der Coronakrise.

Spätestens seit dem Lockdown wissen wir: Jede Veränderung bringt Sorgen und Ängste mit sich. Hinter jedem Potential kann ein unvorhergesehenes Hindernis lauern. Und das betrifft nicht nur unsere Herausforderungen der letzten Monate, sondern auch das Thema Digitalisierung ganz allgemein – und natürlich unsere Arbeit bei eguana genauso wie SCALES.

Also nutzen wir die Inspiration der Krise, um an unseren Anfang bei eguana zurückzublicken. Über Hürden, überwundene Hindernisse, Ängste und Probleme haben wir mit Geschäftsführer Philipp Maroschek, Leiter der Entwicklung Florian Rathenböck und Projektleiter Michael Ouschan gesprochen – aber auch bei unseren Kunden nachgefragt.

Angst vor Veränderung

Ganz so gruselig war es dann zum Glück doch nicht. (Credit: enriquelopezgarre auf Pixabay)

Das menschliche Gehirn ist darauf programmiert, Unsicherheiten zu vermeiden. Im Zuge einer im Fachjournal „nature communications“ publizierten Studie stellten Forscher fest, dass unser Stresslevel mit steigender Unsicherheit zunimmt. Wer schon mal ein eigenes Unternehmen gegründet hat, kann sich vielleicht vorstellen, dass es auch bei eguana in der Anfangsphase nicht ganz stressfrei abgelaufen ist (zum Glück hat unter anderem eine Forscherin der UC Berkeley herausgefunden, dass Stress in moderaten Dosen nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, sondern sich positiv auf Aufmerksamkeit, Leistung und Gedächtnis auswirken kann). Beim Start von SCALES etwa habe es durchaus „Angst vor Veränderungen auf der Baustelle“ gegeben, so Philipp: „Ist SCALES performant genug? Ist es einfach genug in der Anwendung, um einen entsprechend großen Mehrwert zu bringen?“

Ja, ist es – aber das war nicht immer so. Vieles davon war learning by doing, erklärt Mitgründer Florian Rathenböck, dass die Notwendigkeit vieler Features, die SCALES heute hat und braucht, erst im Realbetrieb auf der Baustelle entdeckt wurden: „So gut wie alles sogar! Vom User Interface über Funktionalität bis zu den berechneten KPIs (Anm.: Key Performance Indicators – Leistungskennzahlen)!“ Der Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt. Einige Jahre und mehrere Dutzend Projekte und Baustellen später hat sich bei eguana die anfängliche Sorge gelegt und wir vertrauen mittlerweile vollauf auf unsere Fähigkeiten und unser SCALES.

Was weiß denn ein Programmierer über Tunnel?

Ganz ohne hinderliche Hindernisse ging es aber natürlich trotzdem nicht (das wäre ja langweilig). Besonders der „Widerstand der Excel-Akrobaten“ (ein Ereignis, das schon allein aufgrund des Titels durchaus wert ist, in die Geschichtsbücher aufgenommen zu werden) ist Philipp im Gedächtnis geblieben: „Man denkt, man macht es den Leuten einfacher, aber dass man damit zum Teil auch ein wenig das Feld ihrer Expertise untergräbt, war mir anfangs naiver Weise noch nicht klar – und auch nicht, mit welch starkem Gegenwind man dann unter Umständen rechnen sollte.“ Womit auch Florian nicht gerechnet hatte, war, wie stark variierend die Datenaufzeichnung in der Realität tatsächlich ablief. Gut für uns, denn sonst gäbe es durch SCALES nicht so viel Mehrwert.

Bleib bei deinen Leisten, Schuster

Gegenwind wehte auch von der Baustelle in unsere Richtung, wo man sich mitunter fragte: Können die von eguana überhaupt verstehen, was die Baustelle braucht? Sorgen bereitete den Bauunternehmen mitunter auch der Gedanke, auf eine externe Firma angewiesen zu sein „Wie gut können wir euer System nutzen? Kommt die Umstellung bei jedem und jeder gut an?“ zählt Francesco Del Punta, Techniker bei Stump-Franki, einige Fragen auf und fügt hinzu: „Bei mir schon.“

Um diese Sorge aus dem Weg zu räumen haben wir uns 2016 Michael Ouschan ins Boot geholt, der mittlerweile als Projektleiter als direkter Ansprechpartner für die Baustellen tätig ist. Dabei war auch für ihn der Anfang nicht immer leicht: „Als ich zum Unternehmen kam, hieß SCALES zwar noch nicht SCALES und war bei weitem nicht so ausgereift, aber das Grundkonstrukt stand bereits. Meine größte persönliche Unsicherheit war es daher zunächst, ob ich das System vollumfänglich verstehe und den Kunden die Fragen beantworten kann und auf der Baustelle eine gute Figur mache.“

Zu Beginn habe er sich noch an der knappen und teils scharfen Sprache, die auf den Baustellen durchaus üblich ist, gestoßen, in der viele E-Mails verfasst wurden. Mit der Zeit habe Michael aber gelernt, diese als stressbedingte Einzelfälle zu sehen und jeglichen Input als konstruktiv zu schätzen: „Es zahlt sich aus, nicht nur dem geschriebenen Wort zu vertrauen, sondern die Menschen hinter den Buchstaben und deren Sorgen zu kennen.“

Offenheit sei der Schlüssel zu einer guten Zusammenarbeit. „Klar kann es Probleme geben“, erklärt er, „aber solang man – rechtzeitig und offen – darüber redet, sind die Kunden darauf vorbereitet und gehen mit realistischen Erwartungen an die Sache ran. So werden Herausforderungen und Schwierigkeiten nicht zum Ärgernis.“ Offene Zusammenarbeit zahlt sich aus; auch Del Punta beschreibt „die Zusammenarbeit mit Euch, die schnelle Umsetzung unserer Wünsche, die umgängliche und freundliche Art“ als besser als erwartet. Mittlerweile freut sich der Baudatenspezialist über „die Zugänglichkeit der Daten durch mehrere User und die einfache Bedienung von SCALES“.

Wie wir lernen

Auch wenn SCALES derweil schon ziemlich ausgereift ist, gibt es immer noch Luft nach oben. Input, wie wir unser Datenmanagementsystem weiter optimieren können, holen wir uns in Workshops mit den Baustellen, wo wir Revue passieren lassen, was gut funktioniert hat und was sich beide Parteien mehr voneinander gewünscht hätten. „Unser System ist für den Realbetrieb auf der Baustelle gedacht“, so Philipp. „Da ist das Feedback der Baustellen, Planer, Auftraggeber, etc. das wichtigste.“ So lässt sich weiteres Verbesserungspotenzial erkennen und unsere Entwickler wissen genau, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten sollen.

Ein Tool, das sich aus dem Feedback ergeben hat, ist beispielsweise der Multichart-Modus im Prozessmanagement. „Durch diesen können Maschinen- und Anlagenweise die Prozesse einzelner Einheiten miteinander gegenübergestellt und verglichen werden. Man hat jeglichen Einsatz aller Maschinen im Überblick und kann die Baustelle um einiges besser greifen und dadurch optimieren“, erklärt Michael.

Credit: athree23 auf Pixabay

Auch interessiert, etwas zu lernen?

Eine Sache, die wir also voller Überzeugung sagen können: Man lernt nie aus! Sie wollen auch etwas lernen? Wie wäre es damit: Wenn Kühe ins Wasser gehen, laufen sie mangels Schließmuskel voll und gehen unter. Das stimmt natürlich nicht! Aber auch das Wissen, dass etwas nicht stimmt, kann einen manchmal weiter bringen.

Credit: Ulrike Leone auf Pixabay

Wer uns im Gegenzug auch etwas beibringen möchte: Wir freuen uns jederzeit über spannende Informationen über SCALES, Injektionen, den Spezialtiefbau – aber auch völlig andere, spannende Themen an office@eguana.at.

Anna Riedler

Als der Orientierungssinn vergeben wurde, hatte sich Anna gerade verlaufen. Umso besser, dass ihre Arbeit mit Baustellen nur peripher zu tun hat – sie würde vermutlich nie wieder zurück ins Büro finden. Stattdessen schreibt die studierte Journalistin fleißig Texte für unsere Homepage, unseren Blog, und literaturnobelpreisverdächtige Kurzbeschreibungen.